Miteinander leben im Wohnprojekt
Frankfurt-Riedberg
„Wir sind ein quicklebendiger Haufen von 18 Erwachsenen und 5 Kindern – und alle total glücklich“, sagt Cornelia S. stellvertretend für alle Bewohner:innen des ersten generationenübergreifenden BWV-Wohnprojekts am Riedberg. Im Dezember 2017 bezog die Hausgemeinschaft ihr neues Zuhause.
Ein Vermieter, der solidarische Nachbarschaft unterstützt, statt den größten Profit zu machen. Lange suchten die Mitglieder von Gewagt e. V. nach einem Kooperationspartner, der für sie ein Haus zur Miete baut, um ihre Idee des Wohnens in der Gemeinschaft zu realisieren. Gemeinsam mit dem BWV bewarb man sich schließlich bei der Stadt Frankfurt für ein Grundstück in der Richard-Breitenfeld-Straße 15. Die Stadt verhielt sich sehr entgegenkommend, innerhalb nur eines Jahres konnten wir dieses neue Wohnhaus Wirklichkeit werden lassen.
Jeder tut, was er kann
Jung und Alt leben in den vierzehn 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen gemeinsam unter einem Dach – und das nicht anonym. Gemeinsam tragen sie Sorge um den Garten, die Sonnenterrasse, den Keller und den Gemeinschaftsraum. Der eine hat ein Händchen für Baum- und Heckenschnitt, für Beeren und Ochsenherz-Tomaten. Andere kümmern sich um den großen Gemeinschaftsraum. Wer organisiert den Putzdienst, wer besorgt ein neues Ersatzteil für die Kaffeemaschine? Hier ist alles im Fluss, die Aufgaben werden jedes Mal neu verteilt. Aber: „Keiner kann hier seinen Stiefel durchdrücken“, sagt Steffen K., der Gewagt-Vorsitzende, „wir haben eine gute, respektvolle Debattenkultur. Ich empfinde das als sehr positiv.“
Dieses Haus ist für uns ein unglaublicher Gewinn! Der Gemeinschaftsraum als verbindender Ort wird auch an andere Riedberger vermietet, etwa für Yoga-, Klangschalen- und Nachhilfekurse oder Geburtstage und Feste. Eine Sofalandschaft und eine Spielecke für die Kleinsten lädt zum gemütlichen Chillen ein. „Dieses Haus ist ein unglaublicher Gewinn“, findet Cornelia S. Als Architektin hat sie einen Blick für das Oberlicht im Flur und ist begeistert von den Laubengängen, die im zweiten und dritten Stock den Einzelbalkon ergänzen und wo zwischen leuchtenden Hortensien und üppigen Farnen jedes Jahr dreifach gefeiert wird: Drei Mieter:innen auf einer Etage haben am gleichen Tag Geburtstag. Schicksal.
Flexibilität und Zugewandtheit sind die Zauberformeln
… dieser gut funktionierenden Gemeinschaft. Der 84-jährigen Anna Z. wird für das Foto gleich ein Stuhl hingestellt, andere treffen sich zu einem Glas Rotwein in der Sitzgruppe des Naturgartens „Goethe-Eck“ oder zupfen die letzten roten und weißen Trauben aus den Reben der selbst angelegten Weinlaube. Hobby-Gitarrist Harald R. hat sogar ein Lied für die Gruppe komponiert. Selten zieht jemand aus.