Skip to content

Klein, fein und modern

Frankfurt-Bornheim

Ich habe mir das gezielt ausgesucht: in der Seniorenwohnanlage zu wohnen und nicht noch mal einen Umzug machen zu müssen. Ich bin jetzt 70 Jahre alt und musste im letzten Jahr meine große Altbauwohnung wegen Vermieter-Eigenbedarf verlassen. Über Monate hinweg war ich auf Wohnungssuche, das war sehr schwierig. Der private Wohnungsmarkt ist einfach zu teuer. Dann bin ich auf diese Seniorenwohnanlage aufmerksam geworden. Es war schon eine große Umstellung von einer Vierzimmerwohnung auf 1,5 Zimmer. Wohin nur mit all meinen Briefen, Aktenordnern, Manuskripten? Klar, etliches ist schon im Computer, aber es sind halt Erinnerungsstücke.

Leben-Klein-fein-und-modern-1

Der private Wohnungsmarkt ist einfach zu teuer

Leben-Klein-fein-und-modern-2

Ich bin Künstler und der Mietvertrag meines Ateliers läuft aus. Dann muss ich raus mit meinen ganzen Skulpturen und Objekten. Über 30 Jahre lang habe ich diese Kunst gemacht, das ist jetzt wie ein Abschied. Künftig werde ich mich künstlerisch – mangels Raum – mehr auf kleinere Werke und Zeichnungen konzentrieren.

Die Asche- und Erdobjekte sind mein Markenzeichen. Aus Asche und Erde besitzen sie eine ausdrucksstarke bodenständige Materialität, die durch kleine, mit blauem Samt ausgeschlagene Fensteröffnungen als geistige Transzendenz konterkariert wird. Die Asche stammt übrigens von Frankfurter Pizzerien, die mit Holzöfen arbeiten.

Was bleibt, sind natürlich meine Führungen in den Museen, für die ich als Kunstvermittler weiterhin gebucht werde: in der Kunststiftung der DZ-Bank, der Schirn Kunsthalle und dem Städel Museum. Von Max Beckmann über die deutsche Renaissance bis hin zu Lyonel Feininger und dem Karikaturisten Daumier gebe ich den Museumsbesuchern einen Zugang zu den ausgestellten Werken, vermittle zwischen Kunst und Betrachtern. Nach einem kunstgeschichtlichen und kunstpädagogischen Studium bin ich dafür natürlich bestens ausgerüstet, aber man muss bei jeder neuen Ausstellung immer wieder tief ins Thema eintauchen. Das ist anspruchsvoll und es macht mir Freude.

In der Seniorenwohnanlage bringe ich mein künstlerisches leben ein

Ich habe schon eine Führung samt Vernissage und Finissage gehalten, als atelierlose Künstlerinnen hier auf dem Gelände der BWV-Seniorenwohnanlage ihre Werke ausstellten. Mit 15 genossenschaftlichen Nachbarn war ich im Städel und habe, von der AWO organisiert, eine Führung zur Renaissance gegeben. So kommt man auch in Kontakt.

Als der BWV gegründet wurde, setzte sich gerade ganz langsam der Impressionismus als Ausdruck der Moderne durch.

Im gleichen Jahr wurde auch die Städel-Stiftung gegründet, die als Erstes Werke des deutschen Impressionisten Max Liebermann kaufte und sich damit ganz mutig gegen die traditionsverhaftete Kunst und Kultur des Kaiserreichs und der wilhelminischen Gesellschaft durchsetzte. Impressionismus galt damals vielen als „schmutzig“, war als „Rinnstein-Kunst“ verschrien.

Robert M. wohnt seit einem Jahr in der Seniorenwohnanlage und ist froh über das genossenschaftliche Wohnrecht auf Lebenszeit. 80 Wohnungen gehören zur BWV-Seniorenwohnanlage.

Leben-Klein-fein-und-modern-3
Leben-Klein-fein-und-modern-4
Leben-Klein-fein-und-modern-5
Leben-Klein-fein-und-modern-6